Gründen will gelernt sein


Ein Gastbeitrag von Julian Wiedenhaus

 

Du hast dich entschieden, ein eigenes Unternehmen zu gründen und bist unsicher, wie du dabei am besten vorgehst? Hierbei helfen ein paar grundlegende Fragen, die sich jede:r Gründer:in stellen sollte.

Wer sich im Netz über Unternehmensgründung informiert, kommt heute an einem Begriff kaum noch vorbei: Startup. Darunter versteht man ein Unternehmen, das sich in einem frühen Entwicklungsstadium befindet und sich zum Ziel gesetzt hat, Probleme durch ein innovatives Produkt oder eine Dienstleistung zu lösen. Hier erkennt man deutliche Unterschiede zu einem Handwerksbetrieb, doch eins vereint alle Gründungen: Zunächst braucht es eine Vision.

Am Anfang steht eine Idee

Anders als mancher annehmen mag, beginnt man beim Konzept nicht mit dem Produkt, also nicht damit, was man anbieten möchte, sondern mit dem Warum. Man spricht hier auch vom „Golden Circle“, dem goldenen Kreis. In der Mitte steht das Warum, erst dann folgen das Wie und das Was.

Ein Dachdeckerbetrieb, der sich auf den Bereich Photovoltaik spezialisiert, kann es beispielsweise zu seiner Mission machen, die Energiewende zu unterstützen. Wer das nach außen kommuniziert, wird Kund:innen viel schneller überzeugen, genau diesen Betrieb zu beauftragen.

 

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Von der Idee zum Produkt

Erst, wenn die Mission klar ist, wird das Produkt entwickelt. Hier musst du dich fragen, welche Dienstleistungen du anbieten willst, aber ganz deutlich auch, welche explizit nicht ins Spektrum passen. Dies ist eine der zentralen Fragen, die du in regelmäßigen Abständen erneut auf den Prüfstand stellen solltest. Denn die Gegebenheiten können sich ändern, etwa durch Know-how-Zugewinn, neue Mitarbeiter:innen oder auch eine veränderte Nachfrage.

Businessplan und Finanzierung

Gründen kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Aller Wahrscheinlichkeit brauchst du für deine Unternehmung finanzielle Unterstützung. Um diese zu erhalten, musst du einen Businessplan aufstellen, aus dem die Geschäftsidee ebenso wie die Marktchancen hervorgehen. Konkret geht es dabei also um die Frage: Wie kann ich mein Ziel erreichen und meine Vision in die Tat umsetzen? Auch wenn du keine Förderung beantragen möchtest, hilft ein Businessplan dir, die Idee auf Herz und Nieren zu prüfen und einen Grundstein für die Zukunft zu legen.

Rechtliches rund um die Unternehmensgründung

Sowohl bei der Erstellung des Businessplans als auch bei rechtlichen Fragen rund um die Betriebsgründung solltest du dich auf jeden Fall von der Handwerkskammer beraten lassen. Unter anderem sind dabei folgende Punkte zu klären:

  • Körperschaft oder Personengesellschaft?
  • Ausarbeitung einer Satzung
  • Ausarbeitung von Mitarbeiter:innenverträgen
  • Abschluss von Versicherungen
  • Ausarbeitung der allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), Auftragsverarbeitungsvereinbarung (AVV) und Datenschutzerklärung
  • Anmeldung als Gewerbe und Eintrag in die Handwerksrolle

Trotz aller Organisation wirst du im Gründungsprozess Momente erleben, die du nicht planen kannst. Auf die zentralen Schlüsselmomente hingegen solltest du dich gut vorbereiten: erster Kunde, erstes Projekt, erster Umsatz. Du solltest dir im Klaren sein, wie du in den jeweiligen Situationen sowie der Vor- und Nachbereitung reagierst: Wo legst du die Kundendaten ab? Wie machst du Projektinformationen für Mitarbeiter:innen und Kund:innen transparent? Wie verbuchst du die erste Rechnung? Arbeitest du von Anfang an mit einem Büro für Steuerberatung?

Je besser und früher du diese Grundpfeiler deiner Unternehmensprozesse durchdacht hast, desto leichter werden dir die ersten Wochen und Monate fallen. Versuch einen guten Mix aus sorgfältiger Vorbereitung und schlanker Lösung zu finden. In der heutigen Zeit unumgänglich: einfach zu bedienende Software – am besten in der Cloud. Das reduziert technischen Ballast und macht dich für die Zukunft flexibler.

Natürlich sind diese Prozesse nicht für die Ewigkeit in Stein gemeißelt und können auch angepasst werden, aber für den Anfang ist es gut, sie sauber zu klären.

Vielleicht fragst du dich jetzt: Wann ist denn der Moment gekommen, Prozesse anzupassen? Um diese Frage zu beantworten, solltest du dir regelmäßig folgende Fragen stellen:

  • Was lief gut?
  • Was lief schlecht?
  • Was kann besser laufen?

Ob du das einmal in der Woche oder einmal im Monat tust, ist dir überlassen. Aber eins ist sicher: Je kleiner die Schritte, desto leichter ist die Umsetzung von Veränderungen. Die Japaner haben einen Begriff dafür: Kaizen. Es steht für kontinuierliche Verbesserung.

Checkliste

Viele Überlegungen, die sich Gründer:innen am Anfang ihrer Unternehmung stellen, sollten auch später eine Rolle spielen. Denn sie helfen, Kund:innen zu begeistern, Mitarbeiter:innen immer aufs Neue zu motivieren und sich und das eigene Geschäft stetig zu verbessern. Als Leitfaden kannst du dich für deine Bestandsaufnahme an sechs Punkten orientieren.

1) Produkt/Dienstleistung

  • Welches Produkt und welche Dienstleistungen biete ich an? Was kann ich z.B. besonders gut und wodurch unterscheidet sich mein Unternehmen von anderen?
  • Was soll nicht Teil meines Geschäfts sein?

2) Marktanalyse

  • Wie ist die Nachfrage nach meiner Dienstleistung oder meinem Produkt?
  • Wo kann ich Synergien nutzen, das heißt mit Partnerfirmen arbeiten, um Aufwand und Kosten zu reduzieren und auch größere Projekte auszuführen?

3) Marketing/Vertrieb

  • Welche Werbekanäle kann ich nutzen, z.B. Online-Marketing, Suchmaschinenmarketing oder Social Media?
  • Was kostet meine Leistung? Sind meine Preise noch zeitgemäß?

4) Umsetzung/Management

  • Wie ist die Raumsituation (Lager, Büro, Werkstatt)?
  • Welche Aufgaben hat jede:r einzelne Mitarbeiter:in?
  • Um welche Angelegenheiten kümmere ich mich selbst? Was kann ich wirklich richtig gut? Wo arbeite ich am effektivsten in meinem Betrieb mit?

5) Erfolgsplanung

  • Wie viele Kund:innen kann ich in den nächsten Jahren mit meinen Leistungen erreichen?
  • Bin ich dafür gewappnet oder brauche ich andere/weitere Mittel und/oder Mitarbeiter:innen?

6) Finanzierung

  • Wie viel Geld kann ich investieren? Muss ich Kredite tilgen?
  • Wann kann ich wachsen, neue Mitarbeiter:innen einstellen, eine neue Halle kaufen etc.?

Case Study „Plancraft“: Neue Geschäftsideen umsetzen – so funktioniert’s

Handelt es sich bei deiner Geschäftsidee um eine neuartige Lösung, also eine Idee, die so noch nicht umgesetzt wird? Dann solltest du unbedingt sicherstellen, dass die Idee ein echtes Problem löst. Das tust du am besten, indem du Zielkunden neutral befragst und analysierst, ob ungefragt das von dir adressierte Problem häufiger auftaucht („Problemvalidierung“).

So lief es auch in der Vorgründungsphase der Plancraft GmbH, einem Startup für Handwerkersoftware. Initialzündung war hier ein Problem im Familien-Zimmereibetrieb von einem der drei Gründer. Sowohl die alte als auch eine teure, neu eingeführte Handwerkersoftware waren zu kompliziert, vor allem für die Angebotskalkulation. Es kostete wertvolle Zeit, die bei der hohen Auftragslage nicht zur Verfügung stand. So entstand die Vision von Plancraft: „Wir ermöglichen unseren Kunden, sich auf das konzentrieren zu können, was sie lieben: Ihr Handwerk.“

Um mögliche Geldgeber von der Idee zu überzeugen, ließen sich die drei Gründer von einigen Betrieben sogenannte Absichtserklärungen geben, um aufzuzeigen, dass es einen Markt für das Produkt gab und Betriebe bereit sind, dafür Geld auszugeben. Und diese Handwerksbetriebe werden auch in die Produktentwicklung – die Ausarbeitung des Wie und des Was – eingebunden. Das Team von Plancraft entwickelte schließlich einen Businessplan und bewarb sich für ein EXIST-Gründerstipendium, das für das Jahr 2020 vom Bund bewilligt wurde. Von der Problemidentifikation bis zur tatsächlichen Unternehmensgründung war durch die sorgfältige Vorbereitung bereits knapp über ein Jahr vergangen.

Über Julian Wiedenhaus

Julian Wiedenhaus ist einer der drei Gründer von Plancraft, einem Handwerkersoftware-Startup. Im Unternehmen fokussiert er als Geschäftsführer den Bereich des Business Development. Julian schenkt den Kunden sein Ohr und übersetzt die Anforderungen für die Produktentwicklung. Die Software bietet Handwerker:innen eine einfach zu bedienende Software in der Cloud für die Angebotserstellung, Kalkulation und Projektorganisation. Mitarbeiter werden über eine mobile App mit einbezogen und können Leistungsverzeichnisse und Projektdetails abrufen oder Zeiten rückmelden. Seit Gründung des Unternehmens im Jahr 2020 ist die Plancraft GmbH auf 13 Mitarbeiter:innen angewachsen.

 

Weitere Infos

Homepage: https://plancraft.de
YouTube: https://www.youtube.com/channel/UCcadHJ4OovMpWn7Nzpfs3UA
Facebook: https://www.facebook.com/plancraftgmbh/
Instagram: https://www.instagram.com/plancraft.app/

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