Attraktiver Arbeitgeber durch flexibles Arbeiten


Selbst im Handwerk sind die Zeiten vorbei, in denen eine starre 40-Stunden-Woche als unangefochtene Selbstverständlichkeit galt. Work-Life-Balance heißt das Zauberwort, das generationenübergreifend an Bedeutung gewinnt. Deswegen überrascht es nicht, dass sich Elternzeit und flexible Arbeitszeitmodelle von Jahr zu Jahr größerer Beliebtheit erfreuen.

Für Betriebe liegt darin sogar eine Chance, als Arbeitgeber an Attraktivität zuzulegen. Das ist in Zeiten, in denen im Dachhandwerk Fachkräfte händeringend gesucht werden, essenziell.

Väter und Kinderbetreuung

Väter in Elternzeit gibt es immer häufiger. Auch wenn der genaue Anteil nicht erfasst wird, die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Elterngeld sprechen für sich. Demnach erhielt in Deutschland im Jahr 2021 jeder vierte Vater Elterngeld. Damit haben sich im Vergleich zum Vorjahr sogar gut zwei Prozent mehr Männer für Elterngeld entschieden.

Der Anstieg ist zwar nicht riesig, dennoch ist der Aufwärtstrend eindeutig: Kontinuierlich nehmen mehr Väter für die Kinderbetreuung eine bezahlte Auszeit.

Die Arbeitszeit zugunsten der Familie oder Lebensqualität reduzieren? Was für viele in unserer Branche wie ein unrealistischer Traum klingt, ist in manchen Dachdeckerbetrieben schon Realität. Es ist also möglich! Denn jeder Elternteil hat Anspruch auf Elternzeit – auch Beschäftigte in Kleinbetrieben.

Wichtige Fragen und Antworten

Lust bekommen? Wer Elternzeit nehmen möchte, sollte vorab die wichtigsten Infos kennen. Insbesondere die Planung des Elterngelds ist bisweilen komplex und bietet unterschiedliche Möglichkeiten, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen. Nur wenn du weißt, welche Optionen sich bieten, kannst du für dich und deine Familie die beste Wahl treffen. Wir geben dir Antworten auf häufige Fragen.

 

Wie lange darf ich Elternzeit nehmen?

  • Jedem Elternteil stehen pro Kind drei Jahre Elternzeit zu. Du kannst dich also so lange für die Kinderbetreuung unbezahlt von der Arbeit freistellen lassen.
  • Diese Zeit darfst du in drei Abschnitte aufteilen – bis zu zwei Jahre Elternzeit sind auch noch zwischen dem dritten und achten Geburtstag deines Kindes möglich. Wenn das arbeitgebende Unternehmen einverstanden ist, kannst du auch mehr Abschnitte vereinbaren.
  • Aufgepasst: Nimmst du die Elternzeit nach dem dritten Geburtstag deines Kindes, kann das Unternehmen dies aus dringenden betrieblichen Gründen ablehnen.

 

Darf ich in der Elternzeit eigentlich in Teilzeit arbeiten?

  • Ja, du kannst während der Elternzeit in Teilzeit arbeiten. Bis zu 32 Stunde pro Woche sind möglich, wenn dein Kind ab dem 1.9.2021 geboren wurde. Bei Kindern, die davor auf die Welt kamen, sind maximal 30 Wochenstunden erlaubt.
  • Eine Ausnahme gibt es bei Betrieben, die weniger als 15 Beschäftigte haben. Hier hast du keinen Anspruch auf Teilzeit in der Elternzeit. Aber vielleicht kannst du dich ja dennoch mit deinen Vorgesetzten darauf einigen.

 

 

Lässt sich das Elterngeld auf verschiedene Abschnitte aufteilen?

  • Ja, das Elterngeld können Väter und Mütter in bis zu drei Zeiträume aufsplitten.
  • Ein paar Grundregeln: Basiselterngeld kannst du nur in den ersten 14 Lebensmonaten deines Kindes nehmen. ElterngeldPlus ist bis zum 32. Lebensmonat möglich – weniger formal ausgedrückt: bis das Kind zwei Jahre und acht Monate alt ist.

 

 

Wie hoch ist das Elterngeld?

  • In der Regel erhältst du als Elterngeld 65 Prozent des Nettoeinkommens, das du vor der Geburt des Kindes bekamst. Die Höchstsumme liegt bei 1.800 Euro pro Monat.
  • Elterngeld wird nicht nach Kalendermonaten ausgezahlt, sondern nach Lebensmonaten des Kindes. Diese beginnen nicht am Ersten des Kalendermonats, sondern am Geburtstag deines Kindes.

 

 

 

Wie lange kann ich Elterngeld bekommen?

  • Als Paar habt ihr Anspruch auf zwölf Monate Elterngeld. Das nennt sich „Basiselterngeld“. Zu diesem gibt es zwei weitere Monate („Partnermonate“), wenn auch der andere Elternteil für mindestens zwei Monate zur Kinderbetreuung eine Auszeit vom Job nimmt.
    Als Elternpaar könnt ihr euch die 14 Monate frei untereinander aufteilen. Es ist auch möglich, diese gleichzeitig oder überlappend zu nehmen.
  • Du kannst vom ElterngeldPlus profitieren. Statt Basiselterngeld zum vollen Satz gibt es doppelt so lange ElterngeldPlus zum halben Satz. Diese Option lohnt sich vor allem, wenn Vater und Mutter möglichst bald nach der Geburt wieder in Teilzeit arbeiten möchten.
  • Beim ElterngeldPlus bekommst du einen Partnerschaftsbonus von zwei bis vier zusätzlichen Monaten, wenn ihr als Elternpaar parallel in Teilzeit arbeitet – mit einer durchschnittlichen Arbeitszeit pro Woche von 24 bis 32 Stunden.
    Auf diese Weise lässt sich die Elternzeit auf bis zu 36 Monate erhöhen.
  • Beide Varianten – also Basiselterngeld und ElterngeldPlus – sind frei miteinander kombinierbar.

Wo melde ich Elterngeld an?

  • Das Elterngeld beantragst du bei der zuständigen Elterngeldstelle. Alternativ ist das auch online über elterngeld-digital.de möglich. Beim Antrag wählst du zwischen Basiselterngeld, ElterngeldPlus oder einer Kombination aus beidem aus.
  • Damit du keine Elterngeldmonate verschenkst, gibst du den Antrag im Idealfall zeitnah nach der Geburt ab. Denn die Elterngeldstelle zahlt nur bis zu drei Monate rückwirkend.

 

Wie früh muss ich meinen Vorgesetzten Bescheid sagen?

  • Spätestens sieben Wochen vor Beginn der geplanten Elternzeit musst du dies deinem Betrieb bzw. der Personalabteilung mitteilen – und zwar schriftlich und mit Unterschrift. Mach das lieber nicht per E-Mail, das wäre nicht gültig.
  • Damit deine Vorgesetzten gut planen können, ist es fair, ihnen möglichst früh von deinem Vorhaben zu erzählen. So können sie sich frühzeitig eine Lösung für deinen Ausfall überlegen und Ersatz organisieren.
  • Du solltest den genauen Zeitraum der Elternzeit angeben. Wenn du diese mit dem Tag der Geburt des Kindes beginnen möchtet, schreib in den Antrag am besten „ab Geburt“. Schließlich ist der errechnete Geburtstermin selten der tatsächliche.

 

Was passiert mit meinem Urlaub, wenn ich in Elternzeit gehe?

  • Prinzipiell entsteht auch während der Elternzeit Urlaubsanspruch. Der Betrieb darf dir diesen in der Elternzeit allerdings kürzen. Für jeden vollen Kalendermonat in Elternzeit kann er dir den Jahresurlaub um ein Zwölftel reduzieren. Dies muss er dir in einer schriftlichen Erklärung mitteilen. Eine automatische Kürzung ist nicht erlaubt.
  • Um den Urlaub, den du vor der Elternzeit nicht genommen hast, musst du nicht bangen. Er darf nach der Elternzeit genommen werden.

Weitere Infos zur Elternzeit

Da die Regelung des Elterngeldes komplex ist und zahlreiche Raffinessen enthält, empfiehlt sich für Details ein Blick auf:

Finanz-Tipp: Steuerklasse rechtzeitig wechseln

Wenn du verheiratet bist, kannst du das Elterngeld durch einen Wechsel der Steuerklasse vor der Geburt erhöhen. Der Elternteil, der nach der Geburt länger im Job kürzertritt, sollte in eine für ihn günstige Steuerklasse wechseln. Das solltest du möglichst rasch angehen, da der Wechsel der Steuerklasse spätestens sieben Monate vor dem Monat, in dem der Mutterschutz beginnt, erfolgen muss.

 

Flexible Arbeitszeitmodelle

Viele Beschäftigte sehnen sich nach Alternativen zur klassischen Arbeitswoche von fünf Tagen à acht Stunden. Auch im Handwerk nimmt dieser Wunsch zu. Für Betriebe gibt es gute Gründe, in Sachen Arbeitszeitmodell umzudenken.

Die Gestaltung der Arbeitszeit ist ein immer wichtigeres Kriterium bei der Auswahl des Arbeitsplatzes. Das ist sowohl entscheidend, um neue Fachkräfte im Dachbereich zu finden als auch um aktuell Mitarbeitende zu halten.

Familienfreundliche und flexible Strukturen tragen darüber hinaus zur positiven Stimmung im Team bei und steigern die Motivation und Zufriedenheit jedes Einzelnen. Das führt letztlich auch zu besseren Arbeitsergebnissen.

Wenn Donnerstag schon Freitag ist

Es bieten sich verschiedene Möglichkeiten für mehr Flexibilität und Variation bei der Arbeitszeit. Möchtest du eine 4-Tage-Woche? Oder ist es für dein Privatleben kompatibler, täglich nur sechs statt acht Stunden zu arbeiten? Von reduzierter Vollzeit über das sogenannte Zeitwertkonto bis zum Jobsharing sind viele Modelle denkbar.

Wir raten dir: Sprich mit deinen Vorgesetzten. Gemeinsam könnt ihr eine Lösung finden.

Beispiel: Familienfreundliche Strukturen umsetzen – so geht‘s

Fragst du dich nun, wie das in der Praxis aussieht? Einfach machen, lautet das Motto der Zimmerei Schwirten & Klein Holzbau (https://www.skholzbau.de) aus Gummersbach (NRW). Als vor zwei Jahren der erste Zimmerer nach Elternzeit fragte, war das für das gut 30-köpfige Unternehmen ein Auftakt in eine neue Zeit. „Klar, das geht“, sagten die Geschäftsführer Martin Schwirten und Tobias Langusch. Inzwischen haben zwei weitere männliche Mitarbeiter Elternzeit genommen.

Bislang waren lediglich „zwei Vätermonate“ gefragt. Ein Kollege hat diese Zeit in zwei Mal einen Monat aufgeteilt – auch das ist eine Option. Ein bis zwei Monate sind für den Betrieb natürlich logistisch einfacher zu überbrücken als eine längere Elternzeit, dennoch würde Schwirten & Klein Holzbau seinen Mitarbeitenden ebenfalls eine mehrmonatige Elternzeit ermöglichen.

Gute Vorbereitung ist alles, so die Erfahrung der Zimmerei. Die Arbeit wird umverteilt und eventuell verschiebt sich eine Baustellenphase dadurch etwas.

„Wer gute Leute behalten und neue gute Mitarbeitende bekommen möchte, muss ein offenes Ohr für ihre Wünsche haben. Wenn man frühzeitig von der geplanten Elternzeit weiß, lässt sie sich gut organisieren. Wenn jemand erkrankt und plötzlich für mehrere Wochen raus ist, ist das wesentlich schwieriger“, sagt Oliver Fennel, Marketingleiter der Zimmerei Schwirten & Klein Holzbau.

Die Erfahrung zeigt außerdem: Der Wiedereinstieg funktioniert nach einer zweimonatigen Elternzeit sehr reibungslos. Innerhalb weniger Stunden sind die Kollegen wieder voll und ganz im normalen Ablauf.

Es waren ebenfalls Mitarbeitende, die den Anstoß für ein flexibles Arbeitszeitmodell gegeben haben. Mittlerweile haben zwei Kollegen jeden zweiten Freitag frei und arbeiten dafür jeden Tag eine Stunde länger und gleichen die Minderstunden mit Mehrarbeit in der übrigen Zeit aus.

Das ist im Bereich Arbeitsvorbereitung und Verwaltung natürlich leichter umzusetzen als auf der Baustelle. Inzwischen hat Schwirten & Klein die Freitagsoption sogar in die Stellenausschreibung übernommen. Der Betrieb weiß: Das macht uns als Arbeitgeber attraktiv.

Das Fazit lautet für die Schwirten & Klein GmbH: „Sowohl mit der Elternzeit als auch mit flexiblen Arbeitszeitmodellen machen wir sehr gute Erfahrung. Beides sorgt für Zufriedenheit im Team, ein gutes Betriebsklima und macht uns als Top-Arbeitgeber in der Region für neue Mitarbeitende interessant.“

WAS EUCH BEWEGT, IST UNSER ANTRIEB.

Wir haben zugehört und starten euer Portal mit fünf Kernthemen. Diese fünf Themen sind der Grundstein für WIR UND JETZT!, eine einmalige Plattform, die auf effizienter Hilfestellung basiert. Die Seite wird sich sukzessiv aufbauen, stetig weiterentwickeln und durch euch das perfekte Netzwerk für das Dachhandwerk abbilden.

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